Öffentliche Räume

Zentrum
Halberstadt

Breiter Weg wird grüner Aktivraum

Multifunktionalität
Regenwassermanagement
Klimaanpassung
Mobiliar
Aufenthaltsqualität
Freianlagen
und weitere

Belebung des Halberstädter „Wohnzimmers“

Im Zentrum von Halberstadt entsteht ein Freiraum, der städtisches Leben, Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität miteinander verbindet. Die Straße Breiter Weg wird als grüner Aktivraum neu interpretiert. Das Projekt markiert einen wichtigen Meilenstein in der innenstadtnahen Aufwertung und verwandelt den öffentlichen Raum in einen vielseitigen Ort für Bewegung, Begegnung und Aufenthalt.

Ort mit Geschichte, Raum für Zukunft

Einst Hauptschlagader der Innenstadt mit Straßenbahn und Einkaufsflair, kämpfte die Straße Breiter Weg zuletzt - wie viele vergleichbare Einkaufsstraßen - mit einem deutlichen Rückgang an Besuchenden. Die Initiative zur Umgestaltung entstand aus der Bürgerschaft selbst und wurde von der Stadt Halberstadt in einem breit angelegten Beteiligungsprozess von 2018 bis 2020 aufgegriffen.

Mit dem Ziel, das „Wohnzimmer“ Halberstadts neu zu beleben, entwickelten Verwaltung, Planer:innen und Bürger:innen gemeinsam ein Szenario, das dem Ort als urbanem Erholungsraum neue Bedeutung verleiht. Der Entwurf folgt der Leitidee eines durchgängigen, grünen „Parkbands“: Spiel-, Gastronomie- und Aufenthaltsbereiche ziehen sich mittig durch die rund 230 Meter lange Straßenlänge - barrierefrei, generationengerecht und flexibel nutzbar.

Seit 2022 erfolgt die bauliche Realisierung im Rahmen der Städtebauförderung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen sowie abhängig von den verfügbaren Haushaltsmitteln der Stadt.

Spielskulptur stärkt Identität

Am Auftakt des Breiten Weges entsteht eine Spielskulptur, die mehr ist als ein Spielgerät: Sie setzt ein Zeichen im Stadtraum. Die raumprägende Doppelturm-Konstruktion aus Holz, Stahl und Seilnetz greift das Logo der Stadt in Form eines „H“ gestalterisch auf und verbindet Bewegung, Gestaltung und Identität. Sie lädt Kinder zum Klettern, Rutschen und Entdecken ein und eröffnet zugleich neue Blickbeziehungen. Das Ergebnis des intensiven Designprozesses ist ein Unikat, das spielerische Leichtigkeit mit städtischer Ausdruckskraft verbindet - eine Skulptur, die den Ort prägt und zum Wiedererkennungsmerkmal wird.

Grünraum als Stadtmotor

Trotz knapper Mittel gelang es, zentrale Elemente des Konzepts zu realisieren: vielfältige Spielangebote für unterschiedliche Altersgruppen, hochwertige Vegetation mit resilienten Baumarten, großzügige Sitzbereiche und Raum für Außengastronomie. Besonderer Wert wurde auf Klimaanpassung gelegt - mit einem Regenwasserkonzept, der Anbindung privater Dachflächen, wassergebundenen Wegedecken und hitzeresilienter Bepflanzung. Der Freiraum wirkt als Retentionsfläche, integriert Dark-Sky-Leuchten zur Minimierung von Lichtverschmutzung und dient auch bei Nutzungswandel als wohnungsnaher Spiel- und Aufenthaltsort. Eine Rasenfläche im Osten des Plangebiets kann künftig temporär als Veranstaltungsort genutzt werden; eine entsprechende Veranstaltungsinfrastruktur wurde im Planungsprozess berücksichtigt.

Ein Pilotprojekt für die Innenstadt von morgen

Das Projekt greift zwei zentrale Zukunftsthemen der Stadtentwicklung auf: die „bespielbare Stadt“ und „blue green streets“. Die bespielbare Stadt versteht Spiel nicht als isoliertes Angebot, sondern als integralen Bestandteil des öffentlichen Raums. Am Breiten Weg ist Spielen in den Alltag eingebettet: Spielskulpturen, Balancierkanten und Wasserelemente laden Kinder zum freien Entdecken ein - nicht auf abgetrennten Flächen, sondern mitten im urbanen Kontext. So fördert das Projekt eine kinderorientierte Stadtentwicklung und stärkt die Aufenthaltsqualität für alle Generationen.

Das Konzept der „blue green streets“ verbindet wasser- und pflanzenbasierte Lösungen, um Städte an den Klimawandel anzupassen. Entlang des Breiten Wegs wird Regenwasser nicht einfach abgeleitet, sondern über ein differenziertes System zurückgehalten und genutzt - durch Kastenrinnen, durchlässige Beläge und Retentionsräume. Gleichzeitig sorgen schattenspendende Bäume, Staudenpflanzungen und Vegetationsflächen für eine spürbare Abkühlung des Stadtraums. So entsteht eine Fußgängerzone mit hoher gestalterischer Qualität, die zugleich funktional, klimaangepasst und zukunftsfähig ist.

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