
Stadtweite Analyse für kindgerechte Freiräume
Mit dem Ziel, die Spiel- und Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche nachhaltig zu verbessern, hat die Stadt Kassel 2019 erstmals einen gesamtstädtischen Spielflächenbedarfsplan aufgestellt. Hintergrund war der zunehmende Nutzungsdruck auf öffentliche Freiräume infolge städtischer Innenentwicklung und Bevölkerungswachstum. Gerade in dicht bebauten Quartieren mit wenig Grün gewinnen wohnungsnahe Spielräume enorm an Bedeutung. Der Bedarfsplan reagiert auf diesen Wandel mit einem datenbasierten, integrierten Konzept: Es wurden alle öffentlich zugänglichen Spielflächen im Stadtgebiet systematisch erfasst, analysiert und im Hinblick auf ihre Versorgungssituation bewertet – differenziert nach vier Altersgruppen.
Zum Einsatz kam eine GIS-gestützte Methodik, die Bevölkerungsdaten mit der Spielplatzdatenbank verknüpft. Die Analyse und Handlungsempfehlungen bilden eine Entscheidungsgrundlage für städtische Stellen, denen nun ein präzises Steuerungsinstrument für eine gerechte, zukunftsfähige Spielplatzentwicklung zur Verfügung steht.

Analyse mit Weitblick: Wo Bedarf besteht – und wo nicht
Die Analyse basierte auf einem systematischen Fünf-Schritte-Modell: Zunächst wurden versorgte und nicht versorgte Gebiete abgegrenzt – anhand von Erreichbarkeitsradien, die sich an den Bedürfnissen unterschiedlicher Altersgruppen orientieren. Im zweiten Schritt prüften wir, wie gut die Bevölkerung innerhalb dieser Gebiete mit Spielflächen versorgt ist. Darauf folgte eine Analyse der Flächenverteilung: Wo besteht ein Überangebot? Wo fehlen Flächen? Daraus leiteten wir schließlich Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Spielflächenversorgung ab.
Ein zentrales Ergebnis: 78 % der Kasseler Bevölkerung haben aktuell Zugang zu einem Spielplatz – bei den 3- bis 5-Jährigen sind es jedoch nur 27 %. Insgesamt wurden 12 Vorranggebiete mit erhöhtem Handlungsbedarf identifiziert. Zugleich wurden drei sogenannte Suchräume benannt, in denen das Spielplatzangebot bei Bedarf reduziert werden kann, ohne die Versorgung zu gefährden.

Analyse trifft Strategie
Die besondere Stärke des Projekts liegt in seiner konsequenten Verbindung von Datenanalyse und strategischer Raumplanung. Durch die GIS-gestützte Verknüpfung von Bevölkerungsdichte, Altersstruktur und Spielplatzangebot wurde eine fundierte Planungsgrundlage geschaffen, die Kassel in die Lage versetzt, Mittel gezielt dort einzusetzen, wo der Bedarf am größten ist.
Gleichzeitig integrierten wir die rechtlichen, planerischen und sozialen Rahmenbedingungen in die Analyse – von den Anforderungen der DIN 18034 bis zu lokal spezifischen Sozial- und Siedlungsstrukturen. Der Plan ist damit nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern ein flexibel nutzbares Werkzeug für Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft.
Bespielbare Stadt als Leitbild
Der Spielflächenbedarfsplan Kassel orientiert sich am Leitbild einer „allseits bespielbaren Stadt für Jung und Alt“: Weg von punktuellen Spielplatzinseln – hin zu einer urbanen Struktur, in der Spiel und Bewegung überall stattfinden können. Spielplätze werden nicht mehr isoliert gedacht, sondern als integraler Bestandteil einer vernetzten Freiraumstruktur verstanden.
Dabei spielt Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Die gezielte Lenkung von Investitionen in unterversorgte Gebiete fördert die soziale Gerechtigkeit und reduziert gleichzeitig langfristige Pflegekosten. Auch der Umgang mit Klimafolgen findet Berücksichtigung: Spielflächen dienen als Versickerungsräume, bieten Schatten durch Baumpflanzungen und tragen zur Durchlüftung der Stadt bei.
Der Plan zeigt: Wer eine bespielbare Stadt schaffen will, muss mehr tun, als nur Geräte aufzustellen. Gefragt ist ein ganzheitlicher Blick auf den Stadtraum – als Lebenswelt für Kinder, als Bewegungsraum für Jugendliche, als Begegnungsort für alle Generationen.
Im Auftrag von:


