Neue Wege für Stadt und Umland
Neue Wege für Stadt und Umland
Die Stadt Frankenberg (Eder) ist ein wirtschaftliches Mittelzentrum am Rande des westhessischen Berglandes mit ca. 18.500 Einwohnenden. Der Ort verbindet historisch gewachsene Strukturen mit einer dynamischen Stadtentwicklung – und stellt sich aktiv den Herausforderungen nachhaltiger Mobilität.
Mit der Umsetzung von gleich zwei Maßnahmen aus dem 2020 entwickelten Radverkehrskonzept hat sich Frankenberg entschlossen auf den Weg gemacht, die Stadt fahrradfreundlicher und zukunftsfähiger zu gestalten.

Die Projekte „Hengstfurt“ und „Am Hain“ zeigen beispielhaft, wie Nahmobilität im suburban-ländlichen Raum gestärkt und gleichzeitig vielfältige städtebauliche, ökologische und soziale Mehrwerte geschaffen werden können. Die zwischen 2021 und 2024 umgesetzten Projekte wurden mit Mitteln aus dem Sonderprogramm „Stadt und Land“ des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMVI) gefördert. 2024 wurde Frankenberg mit dem Deutschen Fahrradpreis ausgezeichnet und damit bundesweit als vorbildlich gewürdigt. Wir übernahmen jeweils Entwurf und Ausführungsplanung der Verkehrsanlagen.
Hengstfurt: Verknüpfung von Stadt, Landschaft und Fernradwegenetz
80 Meter lang und vier Meter breit: die neue klimaneutrale Holzbrücke führt zwischen Wildpark und Walkemühle über die Eder und verbindet somit die Frankenberger Kernstadt mit dem Stadtteil Schreufa. Die sogenannte Wildparkbrücke wurde vom Ingenieurbüro Miebach geplant – ebenso zwei weitere kleinere Brücken, die entlang der Hengstfurth alte Bauwerke ersetzten. Wir bauten die zuvor als asphaltierten Wirtschaftsweg genutzte Strecke zur Fahrradstraße aus. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der landschaftlichen Einbettung der Wegeverbindung. Diese wurde gezielt entlang markanter Sichtachsen geplant und verläuft entlang der Eder. Sie bietet nun Radfahrer:innen eine komfortable und sichere Verbindung, die für Pendler:innen, Tourist:innen und Freizeitfahrende gleichermaßen attraktiv ist.

Die Umgestaltung verfolgte das Ziel, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren und dafür den Fahrradverkehr zu stärken. Parkende Fahrzeuge wurden aus dem Straßenraum verbannt – durch einen modellierten Versickerungsgraben, der nicht nur als optische Barriere fungiert, sondern zugleich als Streuobstwiese mit heimischen Obstbaumsorten und Blühwiesen ökologisch aufgewertet wurde. Eine technische Herausforderung war dabei die unmittelbare Nähe zur Eder, die aufwendige Gründungen und eine durchdachte Materialwahl erforderte – unter anderem inklusive wiederverwendeter Tragschichtmaterialien.
Am Hain: Fahrradstraße mit Charakter – und Rücksicht
Im innerstädtischen Bereich gestalteten wir die Straße „Am Hain“ auf 750 Metern Länge zur ersten Fahrradstraße Frankenbergs um. Das Projekt diente nicht nur dem Lückenschluss im Radwegenetz, sondern ermöglichte durch den anstehenden Austausch maroder Leitungen eine umfassende gestalterische Aufwertung des Straßenraums.

Die Umverteilung des begrenzten Straßenquerschnitts stellte dabei eine planerische Gratwanderung dar: Der Erhalt der prägenden Hainbuchenreihe, der Schutz angrenzender Privatgrundstücke und die Neuorganisation des ruhenden Verkehrs wurden sorgsam miteinander in Einklang gebracht. Parkplätze verlagerten wir gezielt zwischen den Baumbestand und legten neue Grün- sowie Staudenflächen an – ein Gewinn für Mikroklima, Biodiversität und Aufenthaltsqualität. Eine neue Stützmauer mit terrassierten Pflanzflächen ersetzt die zuvor dominante Betonwand am östlichen Straßenende.
Nahmobilität als Stadtentwicklungsstrategie
Beide Projekte sind Teil eines übergeordneten Stadtentwicklungsprozesses: Mit dem 2020 erarbeiteten Radverkehrskonzept verfolgt Frankenberg das Ziel, ein sicheres, lückenloses und attraktives Wegenetz für den Alltags- wie Freizeitradverkehr zu schaffen. Die Maßnahmen in Hengstfurt und Am Hain sind dabei wichtige Puzzleteile – sowohl infrastrukturell als auch symbolisch. Sie zeigen, dass Radverkehrsförderung weit mehr ist als Linien auf dem Asphalt: Es geht um Aufenthaltsqualität, um ökologische Aufwertung, um Lebensqualität vor der eigenen Haustür.

Doppelte Funktion – Freizeitroute trifft Alltagsmobilität
Doppelte Funktion – Freizeitroute trifft Alltagsmobilität
Freizeitrouten bergen besonders im suburbanen und suburban ländlichen Raum ein großes Potenzial für die Alltagsmobilität hinsichtlich ihrer Multicodierung: Oft erfüllen sie gleichzeitig touristische, sportliche und pendelbezogene Funktionen – insbesondere wenn sie attraktiv, gut beschildert und sicher befahrbar sind. Das lässt sich auf Frankenberg übertragen: Die Fahrradstraße „Hengstfurt“ verknüpft die Siedlung mit einer zentralen Freizeitroute und erhöht damit deren tägliche Nutzbarkeit. Parallel ergänzt „Am Hain“ diese Achse durch innerstädtische sichere Passagen, die Potenzial für den Umstieg aufs Fahrrad für Wege wie Schule, Einkaufen oder Freizeit schaffen.
Beide Wegeabschnitte veranschaulichen, wie Multicodierung , die unterschiedliche Interpretation und gleichzeitige Nutzung von Orten durch verschiedene Akteur:innen und Interessen, funktionieren kann: Die gleiche Infrastruktur dient Teilnehmenden im Alltag (z. B. Arbeiten, Schule) ebenso wie Freizeit- oder Genussradler:innen. Durch die Integration von Orientierungssystemen, durchgängiger Linienführung und Aufenthaltsqualität wird eine Route geschaffen, die sowohl funktional als auch gestalterisch überzeugt. Frankenberg zeigt damit exemplarisch, wie man in suburbanen Mittelzentren mit vergleichsweise überschaubarem Aufwand Freizeitrouten aufwertet und sie zu Rückgraten einer nachhaltigen Nahmobilitätsstrategie macht.
Im Auftrag von:
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