Ort des Erinnerns und Vermittelns
Mit der Neugestaltung der Freianlagen des Historisch-Technischen Museums Peenemünde entsteht ein zukunftsweisender Ort für das Erinnern und Vermitteln. Im Kontext der umfassenden Sanierung, des Neubaus eines Depots und der Neukonzeption der Dauerausstellung gestalten wir das Umfeld dieses geschichtsträchtigen Ortes neu – mit Feingefühl, Funktionalität und Respekt vor seiner Vergangenheit. Auf rund 6.000 m² Fläche, von insgesamt 10 Hektar Museumsareal, schaffen wir langlebige Strukturen, die Geschichte erfahrbar machen. Die architektonischen Maßnahmen werden vom Büro DBCO umgesetzt. Das Projekt, das 2023 gestartet ist, wird vom Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert.

Ein Gelände mit Geschichte(n)
Das Historisch-Technische Museum Peenemünde liegt auf der Insel Usedom und befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Peenemünde. Zwischen 1936 und 1945 war dieser Ort eines der größten militärischen Forschungszentren Europas: In der Heeresversuchsanstalt Peenemünde wurden unter dem NS-Regime Raketen und andere Flugkörper entwickelt – Technologien, die gleichermaßen für wissenschaftliche Fortschritte wie für die Instrumentalisierung im Kriegsgeschehen standen. In der DDR-Zeit wurde das Gelände militärisch genutzt und erst nach der Wende schrittweise museal erschlossen. Die Spuren dieser historischen Schichten – NS-Zeit, DDR-Nutzung, Nachwendesituation – sind bis heute im Gelände ablesbar.


Entwurfsansatz: eine neue funktionale Schicht
Zentraler Leitgedanke der Freiraumplanung war es, diese historischen Zeitschichten zu bewahren und nicht zu überformen. Stattdessen wurde das gesamte Außengelände als integraler Bestandteil der Ausstellung betrachtet – als ein „begehbares Archiv“, das durch eine zurückhaltende gestalterische Intervention neu lesbar wird. Bestehende Strukturen werden behutsam ergänzt: Ein neu strukturierter Zugang, verbesserte Wegeführungen, barrierefreie Erschließungselemente sowie die Einbindung des neuen Depots und eines geplanten „Hauses des Gastes“ fügen sich als funktionale Ebene in die bestehende Landschaft ein. Alt und Neu bleiben dabei klar unterscheidbar. Ermöglicht wurde dies durch eine ganzheitliche Sicht auf den Ort, die sich im intensiven und vertrauensvollen Austausch mit allen Beteiligten – darunter Szenografie, Hoch- und Tiefbau und technische Gewerke – entfalten konnte.

Nachhaltigkeit durch Respekt vor dem Bestand
Nachhaltigkeit verstehen wir in diesem Projekt als Haltung gegenüber dem Bestand: Nicht Abriss und Neugestaltung, sondern der bewusste Umgang mit dem Vorhandenen bildet den Kern der Planung. Durch das Aufgreifen vorhandener Strukturen und eine klare Trennung zwischen historischen und neuen Elementen schufen wir eine dauerhafte und pflegeleichte Lösung. Gleichzeitig verzichten wir weitgehend auf versiegelte Flächen – ein Beitrag zur Klimaanpassung und zum Erhalt des landschaftlichen Kontexts im Norden der Insel Usedom.


Beispiel für sensiblen Umgang mit historisch bedeutsamen Orten
Peenemünde steht exemplarisch für die Herausforderung, Orte mit komplexer Geschichte gestalterisch neu zu denken – ohne sie zu glätten oder zu überinszenieren. Unser Entwurf zeigt, wie durch landschaftsarchitektonische Mittel eine neue narrative Ebene geschaffen werden kann, die den Ort weder musealisiert noch verfälscht. In Zeiten, in denen Erinnerungsorte zunehmend an Bedeutung gewinnen, ist der respektvolle Umgang mit historischer Substanz und deren zeitgemäße Vermittlung ein zentrales Thema für die Landschaftsarchitektur.
Im Auftrag von:

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